BVMB sieht sich durch den Brückenbericht des Bundesrechnungshofes bestätigt und fordert verlässliche Finanzierung, beschleunigte Umsetzung und klare Prioritäten beim Brückenerhalt
Der Bundesrechnungshof (BRH) hat erneut ein vernichtendes Urteil über den Zustand der Brückeninfrastruktur in Deutschland gefällt. Insbesondere die mangelhafte Umsetzung des Brückenmodernisierungsprogramms des Bundesverkehrsministeriums sorgt für wachsenden Handlungsdruck. Von den rund 5.000 zu sanierenden Teilbauwerken an Autobahnbrücken bis 2032 wurden bis Ende 2024 lediglich 40 Prozent der geplanten Maßnahmen umgesetzt. Die für das Programm zuständige Autobahn GmbH hinkt den Zielvorgaben damit deutlich hinterher. „Der angekündigte Hochlauf bei der Brückensanierung ist im Jahr 2024 noch immer nicht erkennbar“, warnt Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V. (BVMB). „Wir haben frühzeitig – bereits vor dem Brückengipfel 2022 – auf die strukturellen Defizite hingewiesen. Jetzt braucht es entschlossenes Handeln: ausreichend Mittel, mehr Personal und eine klare Priorisierung.“
Brücken im System Schiene weiter im Sinkflug – Sanierungsstau verschärft sich trotz Investitionen
In gleicher Weise wie bei den Straßenbrücken ist auch der Zustand der Zustand der Eisenbahnbrücken in Deutschland weiterhin kritisch. Wie aus dem aktuellen Infrastrukturzustands- und -entwicklungsbericht des Eisenbahnbundesamtes (EBA) hervorgeht, der sich auf Maßnahmen im Rahmen der seit 2009 geltenden Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) bezieht, hat sich der Zustand der Brücken sogar weiter verschlechtert. Auch die Zahl der tatsächlich erneuerten Brücken bleibt deutlich hinter dem erforderlichen Niveau zurück. So wurden im Jahr 2024 lediglich 123 Brücken modernisiert – eine Zahl, die angesichts des Sanierungsstaus kaum ausreicht. „Im Rahmen der LuFV III beobachten wir, dass die DB bis jetzt im Jahr 2025 etwa 30 Eisenbahnüberführungen ausgeschrieben hat“, erklärt Gilka. Dies unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf: Um eine echte Kehrtwende einzuleiten, müsste die DB nach eigenen Erhebungen durchschnittlich über 120 Brücken pro Jahr ausschreiben und 50 anplanen – wohlgemerkt nur um den Status quo zu erhalten.
BVMB fordert Kurswechsel
Der neue Verkehrsminister steht vor der Aufgabe, den „Brückennotstand“ konsequent anzugehen. „Das erwarten wir auch“, betont Hauptgeschäftsführer Michael Gilka. „Patrick Schnieder muss schnell konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Umsetzung zu beschleunigen – von besseren Planungsbedingungen über schnellere Genehmigungen bis hin zu mehr Investitionssicherheit.“ In Anlehnung an die Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz fordert die BVMB ein notwendiges und der Situation angemessenes Umdenken und damit auch neue Prioritäten. „Bauen, bauen, bauen – das ist der einzige Weg, um die Infrastruktur zu sichern und Deutschland wieder zukunftsfähig aufzustellen“, so Gilka.
