Verband mahnt mehr Zuverlässigkeit bei Planung und Finanzierung an
Deutschlands Infrastruktur gerät zunehmend unter Druck – mit spürbaren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Beim Tag der mittelständischen Bauwirtschaft am 26. Januar 2026 in Berlin forderte BVMB-Präsident Martin Steinbrecher entschiedenes Handeln: Straßen, Schienen und Wasserstraßen seien essenziell für Mobilität und Wertschöpfung, würden jedoch seit Jahren überlastet und unzureichend ertüchtigt. „Intakte Straßen, Schienen und Wasserstraßen bilden das Rückgrat unseres Wirtschaftsstandorts, sie sichern Mobilität, Versorgung und industrielle Wertschätzung.“ Immer mehr Wirtschaftsunternehmen sähen sich bereits durch den schlechten Zustand der Verkehrswege in Deutschland beeinträchtigt. Der Verband fordert „bessere Strukturen, Verfahren und Auftraggeber, die in der Lage sind, Investitionen effizient umzusetzen“. Insbesondere sind dazu laut Steinbrecher eine verlässliche Planbarkeit über mehrere Jahre im Voraus und leistungsfähige Auftraggeber nötig. Der Bund müsse parallel eine zuverlässige Finanzierung sicherstellen, damit es nicht wieder zu überraschenden Vergabestopps komme.
Brücken, Schulen, Schienen: Deutschlands Substanz bröckelt
„Für eine Wirtschaftsnation wie Deutschland ist dieser Zustand beschämend“, betont BVMB-Präsident Steinbrecher. Vor allem Straßen- und Eisenbahnbrücken seien teils so stark beschädigt, dass Reparaturen nicht mehr genügen und ein kompletter Neubau notwendig sei. Was für Brücken gilt, trifft auch auf Schulen und öffentliche Gebäude zu: Jahrzehntelange Vernachlässigung hat vielerorts zu einem Zustand geführt, in dem Neubau oft die einzig realistische Option ist. Auch das Schienennetz stehe vor „enormen Herausforderungen“, ebenso wie die Wasserstraßen. „Steigende Verkehrsbelastungen und immer neue Anforderungen sorgen dafür, dass immer mehr Verkehrsbauwerke am Ende ihrer Lebensdauer ankommen“, so der Verbandspräsident. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität habe die Bundesregierung zwar reagiert. „Geld allein baut jedoch keine Infrastruktur“, betonte Steinbrecher beim Tag der mittelständischen Bauwirtschaft in Berlin. „Das Versprechen des Bundeskanzlers, dass alles, was baureif ist, auch gebaut wird, ist ein Ausdruck von Hoffnung, doch wir tun uns schwer damit, allein darauf zu vertrauen!“
Aktivere Baupolitik ist angezeigt
Das Problem liegt laut BVMB-Präsident Steinbrecher deutlich tiefer: „Wir brauchen bessere Strukturen und mehr Effizienz.“ Von zentraler Bedeutung für die Bauwirtschaft sei Planbarkeit. Unsere Unternehmen brauchen eine verlässliche, mehrjährige Perspektive darüber, welche Projekte auf Straße, Schiene und Wasserstraße tatsächlich ausgeschrieben werden. Deshalb fordern wir eine transparente Vergabevorschau für alle Verkehrsträger – nicht als Wunschliste, sondern als rollierende, realistische Planung. Nur so können Betriebe Kapazitäten aufbauen, Fachkräfte halten und investieren.“ Diese Planungssicherheit müsse sich auch in kontinuierlichen Ausschreibungen widerspiegeln. „Ausschreibungswellen, gefolgt von monatelangen Pausen, helfen niemandem. Sie führen zu Preisspitzen, Überlastung und anschließend zu Unterauslastung“, berichtete Steinbrecher von der Lage der Bauunternehmen und forderte einen „gleichmäßigen, marktverträglichen Takt“. Er warnte insbesondere vor überraschenden Vergabestopps wie im Herbst vergangenen Jahres bei der Autobahn GmbH: „Unsägliche Vergabestopps verhindern wirtschaftliches und terminsicheres Bauen und richten immensen Schaden am Markt an!“
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