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Pressemitteilung
 | 18.07.2025

Keine Trendwende beim Fachkräftemangel erkennbar

© Unsplash

Investitionen allein reichen nicht – Fachkräftemangel bedroht Bau- und Infrastrukturpläne

Mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität setzt die Bundesregierung ein deutliches Signal zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Doch die Investitionsentscheidungen werden nur dann Wirkung zeigen, wenn sie konsequent umgesetzt werden – und das auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt. „Entscheidend wird sein, dass den Ankündigungen auch konkrete Taten folgen“, mahnt Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V. (BVMB). Er warnt: „Ohne gezielte Maßnahmen zur Fachkräftesicherung laufen alle fiskalpolitischen Bemühungen ins Leere.“ Tatsächlich ist die Lage am Arbeitsmarkt alarmierend. Laut der aktuellen Arbeitsmarktfortschreibung des Instituts der deutschen Wirtschaft e.V. (IW) wird Deutschland im Jahr 2028 rund 768.000 Fachkräfte zu wenig haben. Besonders betroffen ist die Baubranche: Allein im Bereich Bauplanung und -überwachung werden laut Prognose 17.040 Fachkräfte fehlen, im Bereich Bauelektrik sind es 15.658. Ein Blick auf den Fachkräftereport des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) vom März zeigt zudem, dass sich die Situation verschärft: Seit Jahresbeginn ist die Fachkräftelücke um 7,6 Prozent gestiegen – auf inzwischen über 387.000 offene Stellen. „Gerade im Bereich Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften enorm – und das über alle Qualifikationsstufen hinweg“, betont Gilka. Besonders dramatisch sei die Lage bei den Experten (ohne Spezialisierung) in der Bauplanung: Hier stehen 9.346 unbesetzte Stellen (eine Überhangquote von 85,9 Prozent) für die es bundesweit keine passenden qualifizierten Bewerber gibt, gegenüber 10.876 offenen Positionen – ein gravierender Engpass. Gilka fordert deshalb ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Fachkräftesicherung: „Wir brauchen schnelle, praxisnahe Lösungen – von der Ausbildungsoffensive bis zur gezielten Zuwanderung. Sonst werden wichtige Infrastrukturprojekte auf Jahre ausgebremst.“

Fachkräftesicherung im Baugewerbe: Potenziale nutzen, Hürden abbauen

Der demografische Wandel stellt auch die Bauwirtschaft vor große Herausforderungen – der Fachkräftemangel ist längst auf der Baustelle angekommen. Um gegenzusteuern, braucht es praxisnahe Maßnahmen, die Bauunternehmen direkt unterstützen. Ein zentraler Hebel ist die gezielte Gewinnung internationaler Fachkräfte. Doch aktuell bremsen langwierige Anerkennungs- und Einreiseverfahren den Prozess massiv. „Wir brauchen weniger Bürokratie und deutlich schnellere Abläufe – sonst erreichen uns die Fachkräfte nicht rechtzeitig“, fordert der Verbandsvertreter.

Erwerbsbeteiligung in der Breite stärken

Gerade für kleine und mittelständische Bauunternehmen ist der Verlust von Fachkräften besonders spürbar – sei es durch familiäre Verpflichtungen oder den altersbedingten Ausstieg erfahrener Mitarbeiter. „Wenn langjährig aufgebaute Expertise mit dem Renteneintritt einfach wegfällt, hinterlässt das eine echte Lücke auf der Baustelle“, warnt Gilka. Mit Blick auf die anstehende Verrentung der sogenannten Babyboomer-Generation betont er: „Wir stehen vor einer Welle altersbedingter Abgänge – gerade die Baby-Boomer haben über Jahrzehnte das Rückgrat vieler Bauunternehmen gebildet. Hier müssen wir dringend gegensteuern.“ Lösungen sieht er vor allem in gezielten Anreizen für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben sowie in besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie – etwa durch flexible Arbeitszeiten und verlässliche Betreuungsangebote. Zugleich sollten ältere Beschäftigte stärker gehalten werden – etwa durch Rentenboni bei längerer Erwerbstätigkeit oder den Wegfall von Verdienstgrenzen. Viele erfahrene Fachkräfte würden gerne länger arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Ein weiterer Ansatz liegt in der Erhöhung der Arbeitszeit von Teilzeitkräften. Hierfür braucht es neben verlässlicher Kinderbetreuung auch flexible Arbeitszeitmodelle.

Ungenutzte Potenziale aktivieren

Auch ungenutzte Potenziale im Inland sollten stärker aktiviert werden: Jugendliche ohne Abschluss, An- und Ungelernte sowie Quereinsteiger können mit gezielter Qualifizierung wertvolle Unterstützung auf Baustellen leisten. Für unsere Mitglieder heißt Fachkräftesicherung: offen sein für neue Zielgruppen, vorhandene Ressourcen besser nutzen – und politisch mutige Reformen einfordern, die den Arbeitsmarktzugang vereinfachen.

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Porträt eines Mannes in Anzug vor grauem Hintergrund, Bauwirtschaft.
Dirk Stauf
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